{"id":6156,"date":"2021-01-07T14:46:32","date_gmt":"2021-01-07T13:46:32","guid":{"rendered":"https:\/\/radiosummernight.ch\/?p=6156"},"modified":"2021-01-12T11:30:29","modified_gmt":"2021-01-12T10:30:29","slug":"tv-kritik-song-exploder-auf-netflix","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/radiosummernight.ch\/fr\/tv-kritik-song-exploder-auf-netflix\/","title":{"rendered":"TV-Kritik:  &#8220;Song Exploder&#8221; auf Netflix"},"content":{"rendered":"<p>Die aus einem Podcast entstandene Doku-Reihe erz\u00e4hlt eine kleine Geschichte der Popmusik anhand einzelner Songs. Seit kurzem ist die zweite Ausgabe mit Dua Lipa, The Killers und NIN verf\u00fcgbar.<\/p>\n<p><em>(sco)<\/em> In den letzten Jahren sind viele vor allem junge Leute erstaunlich aufmerksame Zuh\u00f6rer geworden. Millionen von Menschen verfolgen etwa &#8220;<strong>Gemischtes Hack<\/strong>&#8221; oder &#8220;<strong>Fest und Flauschig<\/strong>&#8221; und d\u00fcrfen sich dadurch in einer sehr einseitigen Freundschaft mit Tommi Schmitt und Felix Lobrecht, respektive Jan B\u00f6hmermann und <a class=\"wort\" href=\"https:\/\/www.laut.de\/Olli-Schulz\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Olli Schulz<\/a> w\u00e4hnen.<\/p>\n<div id=\"aslot--de-desktop-04\" class=\"aslot aslot--intext\" data-google-query-id=\"CLaV3Kj4ie4CFRpx4AodVOECPw\">\n<div id=\"google_ads_iframe_\/33532245\/de-desktop-04_0__container__\"><\/div>\n<\/div>\n<p>Zwei Kerle quatschen, \u00fcber dies und jenes, mal Banales, mal gesellschaftlich Relevantes, meist ohne klaren Fokus \u2013 dieses augenscheinlich Nebens\u00e4chliche haftet dem Format Podcast ein wenig an, weshalb es f\u00fcr die Mehrheit wohl immer noch eher nischig wirkt. Klar, daneben gibt es diese Verbrechen-Formate, vor allem im Crime-geilen Deutschland, in denen Kriminalf\u00e4lle als Ohrenschmaus aufbereitet werden. Aber wer weder auf Quatschen noch auf Mord steht, f\u00fcr den scheint es im Podcast-Feld nicht viel zu geben.<\/p>\n<p>Man darf dem Streaming-Dienst Netflix also dankbar f\u00fcr seine Experimentierfreude sein, denn seit 2020 wird dort der gro\u00dfartige Podcast &#8220;<strong>Song Exploder<\/strong>&#8221; adaptiert und so hoffentlich einem noch breiteren Publikum bekannt. Seit 2014 dekonstruiert der Amerikaner Hrishikesh Hirway pro Episode jeweils einen Song seiner musikalischen G\u00e4ste.<\/p>\n<p>Urspr\u00fcnglich noch mit Indie-Gr\u00f6\u00dfen wie <a class=\"wort\" href=\"https:\/\/www.laut.de\/The-Postal-Service\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">The Postal Service<\/a> oder <a class=\"wort\" href=\"https:\/\/www.laut.de\/Spoon\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Spoon<\/a>, inzwischen mit den ganz gro\u00dfen Popstars, also <a class=\"wort\" href=\"https:\/\/www.laut.de\/Dua-Lipa\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Dua Lipa<\/a> oder <a class=\"wort\" href=\"https:\/\/www.laut.de\/Billie-Eilish\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Billie Eilish<\/a>. Auf Netflix gibt es seit dem 15. Dezember nun die vierteilige, zweite Ausgabe der Serien-Adaption, diesmal mit <a class=\"wort\" href=\"https:\/\/www.laut.de\/The-Killers\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">The Killers<\/a>, <a class=\"wort\" href=\"https:\/\/www.laut.de\/Nine-Inch-Nails\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Nine Inch Nails<\/a>, der Mexikanerin Natalia Lafourcade und der bereits erw\u00e4hnten Dua Lipa.<\/p>\n<p>Wie fast alle Netflix Originals ist die Serie ausgesprochen stylisch geraten. Interview-Shots wechseln sich mit Studio-Aufnahmen, Archiv-Material, Live-Auftritten und kleinen Animationen ab. Inhaltlich ist &#8220;<strong>Song Exploder<\/strong>&#8221; allerdings im Podcast-Format noch besser aufgehoben, weil die geschniegelten Netflix-Bilder hier teilweise eher ablenken. Dieses Style over Substance-Denken ist man von anderen Netflix-Produktionen bereits gew\u00f6hnt und kann sich visuell in jedem Fall berieseln lassen. Nichtsdestotrotz ist es eine gro\u00dfe Freude, Musiker*Innen \u00fcber ihre Songs schw\u00e4rmen zu h\u00f6ren, auch weil in den aufw\u00e4ndigeren Netflix-Folgen viel mehr noch die sonst eher im Schatten stehenden Co-Songwriter ins Rampenlicht geholt werden. So etwa bei Dua Lipa, die mit Hirway \u00fcber ihren Song &#8220;<strong>Love Again<\/strong>&#8221; spricht.<\/p>\n<p>Gerade bei Stars wie Lipa ist es erfrischend zu merken, wie viel Leidenschaft auch bei gro\u00dfen Pop-Produktionen in die St\u00fccke flie\u00dft und dass heutige Hits nicht nur aus von irgendwelchen Algorithmen zusammengerechneten Versatzst\u00fccken bestehen. Neben Lipa kommen auch Produzent Stephen Kozmeniuk, kurz Koz, und die beiden Co-Songwriter Clarence Coffee Jr. und Chelcee Grimes zu Wort. Die Folge zeigt im Grunde auf, dass selbst auf dem Pop-Olymp nur mit Wasser gekocht wird &#8211; mal abgesehen vom teuren Musik- und Studio-Equipment.<\/p>\n<p>Am Anfang der Produktion sitzen irgendwo Songwriter mit einer Gitarre, einer h\u00e4ngt drei Akkorde aneinander, dann findet man Gesangsmelodien und den Text. Auch wenn am Ende nur der Name Dua Lipa vor dem Song steht, das macht die Folge deutlich, ist &#8220;<strong>Love Again<\/strong>&#8221; eine Gruppenarbeit. Von Koz stammte die Idee, die Disco-Geigen zu integrieren und Coffee brachte ein Sample des Songs &#8220;<strong>My Woman<\/strong>&#8221; von Al Bowlly aus dem Jahr 1932 ein.\u00a0Am Ende jeder Episode h\u00f6rt man den zuvor zergliederten Song dann in G\u00e4nze.<\/p>\n<p>Die recht kurz geratene Episode mit The Killers l\u00e4sst Brandon Flowers und Kollegen auf ihren Song &#8220;<strong>When You Were Young<\/strong>&#8221; zur\u00fcckblicken. Die Erz\u00e4hlungen der aus Las Vegas stammenden Band werden stellenweise und einigerma\u00dfen uninspiriert, weil allzu naheliegend untermalt mit Bildern der W\u00fcste von Nevada und der Gl\u00fccksspiel-Stadt selbst. Was Flowers und Drummer Ronny Vannucci zu erz\u00e4hlen haben, ist daf\u00fcr umso spannender. &#8220;<strong>When You Were Young<\/strong>&#8221; steht in der Bandhistorie wohl stellvertretend f\u00fcr das Wissen, dass sie dem Hype, den sie seinerzeit mit dem Deb\u00fctalbum &#8220;<a class=\"stark\" href=\"https:\/\/www.laut.de\/The-Killers\/Alben\/Hot-Fuss-7248\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Hot Fuss<\/a>&#8221; erzeugt hatten, gerecht werden w\u00fcrden. Hirway selbst bringt die Musiker*Innen zwar zum Reden, stellt die richtigen Fragen, dr\u00e4ngt sich allerdings nie selbst in den Mittelpunkt.<\/p>\n<p>Trent Reznors Episode ist deutlich d\u00fcsterer und melancholischer gehalten, als die beiden davor, der Nine Inch Nails-Kopf erkl\u00e4rt die Geschichte hinter &#8220;<strong>Hurt<\/strong>&#8220;. Die Episode gl\u00e4nzt vor allem durch das Kontrastieren der k\u00fcrzlich entstanden Interviewaufnahmen mit Archiv-Material, das den jungen Reznor zeigt. Der Musiker wirkt heute ausgeglichen und klar, fast schon altersweise, w\u00e4hrend man ihn in jungen Jahren vor allem betrunken sieht, gerne auch, wie er gerade auf der B\u00fchne Instrumente zerschmettert. Immer wieder konfrontiert Hirway die ihm gegen\u00fcber Sitzenden mit Stems der St\u00fccke, also isolierten Spuren der Songs, beispielsweise nur dem Gesang. Hier erg\u00e4nzt der visuelle Aspekt das Format wunderbar, weil es immer wieder spannend ist, die Gesichter der Musiker*Innen dabei zu beobachten, besonders, wenn die Entstehung der Songs weit zur\u00fcck liegt. Durch Reznors ruhige, eindringliche Sprechweise ger\u00e4t diese Episode erstaunlich emotional, vor allem, wenn er \u00fcber das Cover von <a class=\"wort\" href=\"https:\/\/www.laut.de\/Johnny-Cash\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Johnny Cash<\/a> spricht, das seinen Song unsterblich gemacht und ihm neues Selbstbewusstsein verliehen hat.<\/p>\n<p>Dass Hirway aber nicht nur bekannte Musiker<em>Innen gut in Szene setzt, sondern auch Interesse an (in Deutschland) weniger ber\u00fchmten K\u00fcnstler<\/em>Innen weckt, beweist schlie\u00dflich die Episode \u00fcber die gefeierte mexikanische S\u00e4ngerin Natalie Lafourcade. Angepasst an den vorgestellten Song &#8220;<strong>Hasta La Ruiz<\/strong>&#8221; wirkt die Episode sehr dynamisch, zeigt Lafourcade mit ihrer Familie, das lebendige Mexiko und untermalt ihre Erz\u00e4hlung im Allgemeinen mit pr\u00e4gnanten Bildern. Hier gelingt die Kombination aus Ton und Visuellem am Besten. Am Ende beschreibt Lafourcade selbst, was einem diese Folge aufzeigen kann, wenn sie \u00fcber eine Auszeit in Kanada spricht: &#8220;<i>Wow, there&#8217;s a whole world out of my world!<\/i>&#8220;.<\/p>\n<p>&#8220;<strong>Song Exploder<\/strong>&#8221; funktioniert insgesamt also als Netflix-Serie wunderbar, dient hoffentlich vor allem aber auch dazu, den Podcast schmackhaft zu machen. Hirway und seinem Team gelingt es fast immer, den G\u00e4sten Interessantes zu entlocken, ihre Erz\u00e4hlungen ansprechend zu strukturieren und ihre Leidenschaft f\u00fcr Musik zu transportieren und so geraten sowohl Serie als auch Podcast zu einer kleinen Geschichte der Popmusik anhand einzelner Songs. Netflix bietet sowohl deutsche Vertonung, als auch Untertitel an. Den Podcast kann man \u00fcber Apple Podcasts, Spotify oder die Platform Radiopublic h\u00f6ren.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die aus einem Podcast entstandene Doku-Reihe erz\u00e4hlt eine kleine Geschichte der Popmusik anhand einzelner Songs. Seit kurzem ist die zweite Ausgabe mit Dua Lipa, The Killers und NIN verf\u00fcgbar. (sco) In den letzten Jahren sind viele vor allem junge Leute erstaunlich aufmerksame Zuh\u00f6rer geworden. 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