BILLIE EILISH: “Pornografie hat mein Gehirn zerstört”

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In einem Interview spricht Billie Eilish über die Auswirkungen, die frühzeitiger Konsum von Pornos auf ihre Psyche hatte. Pornodarstellerin Adriana Chechik sieht die Verantwortung eher bei Billies Eltern als bei ihrer Branche.
(fan) – In einem fast zweistündigem Interview bei dem amerikanischen Radiosender SiriusXM hat Billie Eilish unter anderem über die psychischen Konsequenzen gesprochen, die das frühe Schauen von Pornos für sie hatte. Pornodarstellerin Adriana Chechik äußert sich einen Tag später zornig zu Billies Aussagen.

Interviewer Howard Stern fragt Eilish in seiner Show, in der sie und ihr Bruder Finneas zu Gast sind, über den Schreibprozess ihres zuletzt erschienenen Albums aus. Daraufhin kommt Billie unerwartet auf das Thema Pornos und beginnt zu erzählen: “Ich fing an, darüber nachzudenken, wie seltsam Pornos sind […] und dass sie so normal sind in der Welt. Man fühlt sich schrecklich, wenn man sie anschaut […]. Als Frau denke ich, dass Pornos eine Schande sind. Um ehrlich zu sein, habe ich früher eine Menge Pornos geschaut. Ich habe mit elf Jahren angefangen, Pornos zu schauen. Ich habe nicht verstanden, warum das etwas Schlechtes ist. Ich dachte, so lernt man, wie man Sex hat“.

Als sie damals mit ihrer Mutter darüber sprach, sei sie schockiert gewesen und habe ihre Tochter gefragt, warum sie das tue. “Na ja, wie soll ich denn lernen, wie man Sex hat?“, war ihre Antwort. “Und sie war darüber entsetzt, verständlicherweise“. Billie habe nicht verstanden, warum Pornos schlecht sein sollen und habe sich cool und als Teil der Jungsgruppe gefühlt, weil sie kein Problem damit hatte, darüber zu reden.

Ich glaube, das hat mein Gehirn wirklich zerstört. Und ich fühle mich unglaublich schlecht, weil ich so vielen Pornos ausgesetzt war. Ich glaube, ich hatte deswegen Schlafparalysen und Alpträume. Ich glaube, so hat es angefangen. Weil ich missbräuchlichen BDSM gesehen habe. Und das fand ich attraktiv. Es ging so weit, dass ich nichts anderes mehr sehen konnte, es sei denn, es war gewalttätig. Ich war noch Jungfrau, ich hatte noch nie etwas getan. Und das hat zu Problemen geführt. Die ersten paar Male, als ich Sex hatte, habe ich nicht nein gesagt zu Dingen, die nicht gut waren. Weil ich dachte, dass ich mich zu solchen Dingen hingezogen fühlen sollte. Ich bin so wütend, dass Pornos so beliebt sind. Und ich bin so wütend auf mich selbst, weil ich dachte, dass es in Ordnung sei“.

Völlig offen und ehrlich redet Eilish über dieses tabuisierte Thema. Dabei sitzt sie neben Finneas und erklärt, dass ihr Burder auch ihr bester Freund sei. Dass es aber unüblich und ein gesellschaftliches No-Go sei, unter Geschwistern darüber zu reden. Heute sehe sie das anders und ist wütend. Unter anderem über die Darstellung von Frauen in Pornos:

Die Art und Weise, wie Vaginas aussehen, ist total verrückt. Keine Vaginas sehen so aus. Der Körper einer Frau sieht nicht so aus. Wir kommen nicht so. Wir haben keinen Spaß an Dingen, die so aussehen, als würden sie anderen Spaß machen. Es denken so viele Leute, dass sie es so lernen sollen. Es denken so viele Männer, dass sie so sein sollten. Denn in Pornos gibt es keine Zustimmung. Es gibt ein riesiges Problem mit der Zustimmung. Nicht nur die Zustimmung zum Sex, sondern auch die Zustimmung während des Sexes […]. Ja, es ist nicht supergeil, wenn jemand fragt: ‘Darf ich das machen?’. Aber es ist wirklich wichtig […]. Älter zu werden und guten Sex in einer guten Beziehung zu haben und Dinge, die eigentlich gesund sind, und dann daran zurück zu denken, war wirklich erschütternd. Es ist verrückt, eine Frau zu sein. Und besonders ein Mädchen, das in der Öffentlichkeit aufwächst, minderjährig und jung ist.”

Porno-Star Adriana Chechik hat nun Billies Interview kritisiert und ihre eigene Branche verteidigt. In einer Instagram-Story postete sie unter anderem: “Anstatt Pornos zu verurteilen sollte sie sich fragen, warum ihre Eltern nicht besser auf sie aufgepasst und sie angeleitet haben. Sexarbeit herunterzuspielen, aber den eigenen Körper für das eigene Image zu vermarkten, ist einfach schmutzig, und ich bin traurig, dass sie sich auf dieses Niveau begibt. Frauen sollten Frauen inspirieren, egal in welchem Beruf. Warum parfümierst du deine Brüste, wenn Pornos so schlecht sind? Es ist Kunst. Lasst uns alle anfangen, ehrlich zu uns selbst zu sein.”

Damit spielt sie auf den Werbespot für Billies Parfüm an:

Puh. Wie deplaziert persönlich kann man auf wichtige systemkritische Statements reagieren?

Auf Youtube gibt es einige kurze Ausschnitte des Interviews mit Billie Eilish – zum Beispiel über ihre Covid-Erkrankung. Die komplette Audiospur kann man bisher nur auf der offiziellen SiriusXM-Seite anhören.

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