VORCHECKING: Joachim Witt, In Extremo, Kehlani, Nico Santos, Mark Lanegan

Dein Radio für den Sommer

Außerdem ab Freitag neu: Goldroger, Hayley Williams, Alpentines, Lil Durk, Bishop Nehru, Andrea Berg, Axel Rudi Pell, Brant Bjork etc.

Der ehemalige Praktikant von Beatzarre und Djorkaeff, wie sich Nico Santos selbst bezeichnete, hat es weit gebracht. Als Pianist und Chorknabe von Rappern wie Shindy oder Ali Bumaye arbeitete er sich hoch und kletterte mit Features auf “Sex Ohne Grund” und “Dreams” die Karriereleiter empor. Den ganz großen Wurf landete er 2018 mit “Rooftop”, ein Song, der im Duden unter dem Adjektiv “radiotauglich” als Definition stehen sollte. Zwei Jahre nach seinem Debütalbum folgt nun der zweite Streich namens “Nico Santos” mit Gastbeiträgen von Lena Meyer-Landrut und Alvaro Soler. Rapper Kool Savas ist wohl mit seinem Rea Garvey-Feature auf “Is It Love?” so richtig auf den Geschmack gekommen, sich selbst im Radio zu hören und steuert einen Vers für den Bonus-Track “Rooftop” bei.

In Extremo feiern dieses Jahr ihr 25-jähriges Bestehen. Eigentlich wollten die sieben Bandmitglieder um Das letzte Einhorn alias Michael Robert Rhein dies 2020 gemeinsam mit den Fans auf der Tour zelebrieren. Immerhin kommen die Anhänger aber trotz Corona rechtzeitig in den Genuss des neuen Albums “Kompass zur Sonne”, das fast vier Jahre auf sich warten ließ. Für die Videoauskopplungen zu “Kompass zur Sonne” schlüpften die Bandmitglieder, die mit In Extremo an der Spitze des deutschen Mittelalter-Rocks stehen, wieder in verschiedene Kostüme. “Troja” dreht die Zeit bis zur Industriellen Revolution zurück und die Handlung von “Kompass zur Sonne” spielt sich in Berlin Ende der 60er Jahre ab.

“It Was Good Until It Wasn’t” ist nicht nur ein schöner Albumtitel, sondern irgendwie auch eine passende Zusammenfassung des aktuellen Jahres. Bestimmt wäre auch Kehlani gerne in verschiedene Kostüme geschlüpft und hätte Videos an abwechslungsreichen Schauplätzen gedreht, aber ihre mit “Quarantine Style” betitelten Videos sind größtenteils daheim entstanden. Kehlanis Lieblingssong auf ihrem eigenen Album ist übrigens “Grieving” mit James Blake. Mit diesem Feature hätten wohl weder die Fans von Kehlani noch die Anhänger von Blake gerechnet. Wer das Ergebnis der Arbeit der US-amerikanischen R’n’B-Sängerin und des britischen Sängers, Produzenten und Pianisten hören möchte, muss sich bis Freitag gedulden.

 

Der Kölner Rapper Goldroger hat mit Dienst&Schulter ein talentiertes Produzentenduo an seiner Seite, das er hoffentlich zu schätzen weiß. Die beiden versorgen ihn seit jeher mit abwechslungsreichen und sphärischen Beats, auf die Goldroger seine mit popkulturellen Anspielungen gefüllten Verse kickt. “Diskman Antishock II” ist abermals eine Koproduktion der Produzenten und des Rappers, der 2014 den Talentwettbewerb “Moment of Truth” des Splash! Mags für sich entschieden hatte. In längeren Abständen folgten darauf die Mixtapes “Räuberleiter”, “Avrakadavra” und “Diskman Antishock I”. Der Nachfolger beinhaltet die Tracks des ersten Teils sowie sieben weitere, neue Songs des Rappers.

Mark Lanegans neues Album “Straight Songs Of Sorrow” erscheint parallel zu seiner Autobiografie “Sing Backwards And Weep”, die bereits ausgeliefert wird. Nach seinen eigenen Worten beeinflusste die Arbeit am Buch und die schmerzhaften Erinnerungen an zahlreiche Anekdoten mit nicht mehr lebenden Freunden maßgeblich die Arbeit an der Platte. Wer nun aber Riffgranaten nach Machart von Lanegans alter Grunge-Band Screaming Trees erwartet, liegt daneben. Wer das Buch bereits liest, wundert sich darüber kaum. Die Connor-Brüder und Lanegan sind nicht gerade das gewesen, was man eine Freundschaft fürs Leben bezeichnet.

 

 

 

 

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