Doubletime: Esel Kanye vor Trumps Karren

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Wests Kandidatur: ein Manöver der Republikaner? Cardi B regt sich auf. “Wir stehen am Abgrund”, sagt Chuck D. Stimmt: Gzuz macht noch ein Album.

In den USA geht der Kampf um die Präsidentschaft in die Endphase. Ein Stoßseufzer des demokratischen Kandidaten Joe Biden bringt das diese Woche abgehaltene erste Fernsehduell wohl am treffendsten auf den Punkt: “This is so unpresidential!“. Dass seit vier Jahren ein sexistischer Rassist mit dem Argumentationsvermögen und dem Frustrationslevel eines bockigen Fünfjährigen das Land “regiert”, sollte nach vier Jahren Amtszeit wirklich niemanden mehr überraschen. Trotzdem trieb Donald Trump mit seiner Selbstdarstellung auch manche*n Rapper*in auf die Barrikaden:

 

Empört

Cardi B zum Beispiel hat sich die TV-Battle natürlich angesehen und ließ ihre Instagram-Gefolgschaft in zahlreichen Episoden unmittelbar an ihrer Empörung teilhaben:

Dass die Rapperin sich derzeit außerdem mit einer Klage dreier Trump-Supporter konfrontiert sieht, dürfte sie nicht gerade milder stimmen. Nachdem sie, ihre Schwester und deren Partnerin sich an einem Strand mit den Männern in die Haare bekommen hatten, verlangen diese dezente 20 Millionen Dollar. Beide Seiten beschreiben den Vorfall natürlich sehr unterschiedlich: Die drei Frauen haben sie bedroht, bespuckt und ihren Ruf ruiniert so die Kläger. Von den vorausgegangenen homophoben und rassistischen Beleidigungen in Richtung der Frauen, “alles nur, weil sie ein lesbisches, afro-hispanisches Paar sind“, erzählen dagegen nur Cardi B und ihre ebenfalls aufgebrachte Schwester:

Der strittige Vorfall ereignete sich bereits Anfang September.

 

Die Eindrücke des Fernsehduells zwischen Donald Trump und Joe Biden dagegen sind ganz frisch und provozierten nicht nur Cardi B zu entschiedenen Reaktionen. Dass der US-Präsident nicht einmal so tat, als distanziere er sich von rassistischen Unruhestiftern und White Supremacy-Supportern: schon eine harte Nummer. Chance The Rapper sagt, wie es ist: “Das ganze Land muss eine Entscheidung treffen, ob es weiter die Tatsache herunterspielen will, dass unser Präsident ein offen rassistischer White Supremacist ist und was das für seine Bürger*innen bedeutet, oder … ihn aus dem Amt wählt“:

Da Trump – allein das schon eine Ungeheuerlichkeit in einer Demokratie – bereits angedeutet hat, das Weiße Haus im Fall einer Wahlniederlage eventuell nicht widerstandslos zu verlassen, findet Frank Ocean die Vorstellung einer gewaltsamen Räumung durchaus unterhaltsam. (Das läuft dann wohl unter ‘Galgenhumor’.) hiphop.de hat seinen Instastory-Kommentar für die Nachwelt festgehalten:

6lack dagegen wirkt wenig amüsiert:

… und John Legend sagt:

Bleibt zu hoffen, dass Trumps Auftritt wenigstens insofern etwas Gutes hat, als dass er zahlreiche Menschen an die Wahlurnen treibt, die John Legends Meinung teilen.

 

 

Trumps Marionette

Aber es gibt ja auch noch einen anderen Kandidaten. Da dieses Jahr das Oktoberfest ausfällt …

… kandidiert Kanye West halt ein bisschen für das höchste Amt seines Landes. Das könnte man, wie so vieles andere aus seiner Richtung, achselzuckend zur Kenntnis nehmen und in der proppevollen Skurrilitätenschublade verstauen – wenn nicht viel darauf hindeutete, dass sich Ye da, bewusst oder unbewusst, vor Donald Trumps Wahlkampf-Karren spannen ließe.

Danny Hakim und Maggie Haberman dröseln in der New York Times die massiven Verstrickungen zwischen Trumps und Wests Kandidaturen auf und kommen zu dem einigermaßen widerwärtigen und zudem naheliegenden Schluss: Die republikanische Seite unterstützt Kanyes Kampagne, weil sie darin eine Chance sieht, dem demokratischen Kandidaten Biden Teile seiner schwarzen Wählerschaft abspenstig zu machen. Was für ein dreckiges Schmierentheater.

 

Viel Erfolg!


(Bild via Notes of Berlin. Dankesehr!)

Hab’ ich “schmieren” geschrieben? Praktisch. Das führt uns zurück nach Hause, wo zwar noch nicht wirklich der Wahl-, wohl aber der Arbeitskampf tobt. Am Dienstag rief die Gewerkschaft ver.di zu Warnstreiks auf, die vielerorts den öffentlichen Personennahverkehr lahmlegten – und wenn die Züge stehen, freut das die Trainwriter: 32 besprühte Wagen meldet die Berliner Morgenpost, bundesweit dürften es noch einer oder zwei mehr gewesen sein. “Ein Problem, das wir immer haben, wenn gestreikt wird“, so ein Sprecher der Verkehrsbetriebe.

 

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